Max Sax

* 06.09.1873 deportiert am 28.06.1909
ermordet in Eglfing-Haar am 30.07.1943
Von-der-Tann-Straße 7

Stolperstein verlegt am 22.05.2014


Am 6. September 1873 in München geboren, arbeitete Max Sax als Magistratsfunctionär im Finanzamt München. 1909 wurde er mit fragwürdiger psychiatrischer Diagnose in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar, der Vorgängerklinik des heutigen Krankenhauses Haar, eingewiesen. Dort verbrachte er insgesamt 34 Jahre seines Lebens bis zu seinem gewaltsamen Tod. 1943 wurde er in eines der beiden neu errichteten »Hungerhäuser« verlegt, wo man ihn mittels einer Mangelkost vorsätzlich verhungern ließ. Max Sax starb am 30. Juli 1943, in seinem 71. Lebensjahr. Zur Verschleierung der wahren Hintergründe gab die Prosektur der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie als offizielle Todesursache »Eitrige Bronchitis mit Lobulär-Pneumonien beiderseits« an.

Max Sax ist eines von rund 250.000 Opfern der Krankenmorde. Diese wurden von Hitler mittels des so genannten Euthanasie-Erlasses angeordnet, den er nachträglich auf den 1. September 1939 – den offiziellen Beginn des Zweiten Weltkriegs – datieren ließ. Er ermächtigte Psychiater und andere Ärzte, schwerkranken Patienten den »Gnadentod« zu geben. Eine neu eingerichtete Verwaltung in der Berliner Tiergartenstraße 4, kurz T4, ließ an insgesamt sechs Kliniken im Reich Gasräume einrichten, in die man tödliches Kohlenmonoxid-Gas einleiten konnte. Patienten, die nicht »arisch« waren, nicht arbeiten konnten oder eine schwere Straftat begangen hatten, wurden als »lebensunwert« eingestuft. Eine neu gegründete Transportgesellschaft brachte diese Menschen in die Tötungsanstalten.

Der erste T4-Transport ging am 18. Januar 1940 mit 25 Patienten von Eglfing-Haar nach Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Später wurden Patienten dieser Heilanstalt zusätzlich auch nach Schloss Hartheim bei Linz gebracht. Bis August 1941 ließen in diesen beiden Tötungsanstalten 860 Insassen aus Eglfing-Haar ihr Leben, im gesamten Reich waren es mehr als 70.000. Danach wurde die »T4-Aktion« beendet. Denn zum einen regte sich zunehmend Widerstand in der Bevölkerung. Zum anderen wurden die Teams der Tötungsanstalten nunmehr beim Aufbau und Betrieb der Vernichtungslager in Polen gebraucht. Historiker betrachten diese erste Phase der zentral ausgeführten Krankenmorde gleichsam als »Probelauf für den Holocaust«. Doch die Ermordung angeblich oder tatsächlich körperlich und geistig behinderter Menschen ging
auch nach dem Ende der »T4-Aktion« weiter – nun nicht mehr zentral in den Gaskammern, sondern dezentral in den Kliniken selbst. Allein in Eglfing-Haar wurden 1.850 Patienten, darunter 332 Kinder ermordet. Die Kinder wurden meist durch Gift getötet. Erwachsenen gab man eine »Hungerkost«, die so kalkuliert war, dass die Kranken nach drei bis vier Monaten an den Folgen ihrer Schwächung sterben mussten. Die Grundlage bot ein Erlass des bayerischen Innenministeriums vom 30. November 1942: Demnach sollten Patienten, die keine nutzbringende Arbeit leisteten, schlechter verpflegt werden – um Kosten zu sparen. Am schlimmsten wurde diese Art der Tötung in Kaufbeuren und Eglfing-Haar praktiziert. Hermann Pfannmüller, Direktor von Eglfing- Haar, ließ sogar zwei »Hungerhäuser« errichten. Dort starben zwischen 1942 und 1945 insgesamt 440 Menschen. Einer von ihnen war Max Sax.
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