Emanuel Gutmann

* 29.12.1873 in Gemmingen deportiert am 23.06.1942
ermordet in Theresienstadt am 24.10.1943
Lindwurmstraße 205

Stolperstein verlegt am 18.04.2013


Sofie Marx zieht 1901 im Alter von 23 Jahren aus Heilbronn nach München; Emanuel Gutmann kommt am 1893 mit 20 Jahren aus Memmingen hierher. 1905 heiraten die beiden, fünf Jahre später kaufen sie – ausgestattet mit Münchner Heimat- und Bürgerrechten – das Anwesen in der Lindwurmstraße 205 und eröffneten im Mai 1912 ihr Kaufhaus Gutmann, mit „Kurz- Weiß- und Wollwaren“. Sofie ist damals 34, Emanuel 39 Jahre alt.

Aus der Zeit des 1. Weltkrieges und der Räterepublik gibt es keine Informationen zu Sofie und Emanuel Gutmann. Für 1927 verzeichnet das ´Biographische Gedenkbuch der Münchner Juden´ erstmals eine Wohnadresse in Nymphenburg an der südlichen Auffahrtsallee 11, ab 1931 lebt das Ehepaar in der Tengstraße 25.

Am 30. Januar 1933 schlägt mit der Machtübergabe an die Nazis die Zeitgeschichte zu; noch im selben Jahr kommt es zur Errichtung des KZ Dachau, es folgt der reichsweite Boykott gegen jüdische Kaufleute, Ärzte und Anwälte, dann das Gewerkschaftsverbot und die Bücherverbrennung am Königsplatz. Ab September 1933 gibt es keine jüdischen Händler mehr auf dem Oktoberfest.

1934 findet der vermutlich erzwungene “Verkauf“ des Kaufhaus Gutmann an Helferich statt. Die genaueren Umstände sind noch nicht abschließend recherchiert. 1935 wird mit den “Nürnberger Gesetzen“ und ihren Verordnungen die umfassende Grundlage für Ausgrenzung, Entwürdigung, Diskriminierung, Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Mord gelegt.

Ab März 1936 leben die Gutmanns in der Elisabethstraße 30. Wenige Monate später tagt der Reichsparteitag mit einer Kampfansage an Juden und Weltjudentum und der Forderung nach verstärkten wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Juden und dem Endziel der restlosen Auswanderung. 1937 weist der Münchner NSdAP-Bürgermeister Fiehler bereits Monate vor der entsprechenden Reichsregelung das Münchner Gewerbeamt an, Listen über jüdische Betriebe anzufertigen, die dann im Jahr darauf als für die sogenannte „Reichskristallnacht“ benutzt werden.

Bereits im Juni 1938 wird die Hauptsynagoge hinterm Künstlerhaus an der Herzog-Max-Straße auf Befehl von Adolf Hitler zerstört.
Ab August 1938 muss Sofie Gutmann den Vornamen Sarah und Emanuel Gutmann den Vornamen Israel beantragen, am 5. Oktober 1938 werden ihre Pässe eingezogen und in der Neuausstellung mit “J“ für Jude gekennzeichnet.

Die Nacht vom 9. zum 10. November 1938 geht als sogenannte “Reichskristallnacht“ in die Geschichte ein. Wie viele weitere jüdische Bürger wird auch Emanuel Gutmann verhaftet, ins KZ Dachau verschleppt und erst unter Erpressung, nach seinem Geschäft auch das Gebäude abzugeben, wieder freigelassen. Er kommt – laut eidesstattlicher Erklärung im Rahmen des sogenannten Wiedergutmachungsverfahrens – sterbenskrank aus Dachau zurück nach Hause.
Januar 1939: Zwangsschließung jüdischer Betriebe und Aufhebung des Mieterschutzes für Juden. Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September1939 beginnt der zweite Weltkrieg.

März 1941: Baubeginn der Judensiedlung Milbertshofen an der Knorrstraße als Arbeits- und Sammellager für die bevorstehenden Deportationen; 1941: Gründung des KZ Theresienstadt.

Im September 1941 werden Sofie & Emanuel Gutmann aus ihrer Wohnung in der Elisabethstraße 30 vertrieben und zwangsweise in das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße 65 eingewiesen. Sofie ist damals 63, Emanuel 68 Jahre alt. Ab 15. September müssen sie den Judenstern tragen.

März 1942: Sofie & Emanuel Gutmann werden aus dem Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in das Sammellager nach Milbertshofen an der Knorrstraße 148 deportiert. Im Juni 1942 haben Juden “alle entbehrliche Kleidungsstücke abzugeben“.

Am 23. Juni 1942 werden Sofie & Emanuel Gutmann in das KZ Theresienstadt deportiert. Emanuel Gutmann wurde im Oktober 1943, im Alter von 70 Jahren, ermordet; Sofie Gutmann wurde im Oktober 1944 ermordet; sie war 66 Jahre alt.
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