Isaak Gordin

* 25.01.1875 in Bobruisk, Kr. Minsk deportiert am 17.06.1942
ermordet in Theresienstadt am 27.07.1942
Zeppelinstraße 16

Stolperstein verlegt am 12.11.2018


In der Zeppelinstraße 16 erinnern fünf Stolpersteine an die jüdische Familie Gordin.

Isaak Gordin kam am 25. Januar 1875 im weißrussischen Bobruisk, Kreis Minsk, als Sohn des Kaufmanns Nissen Gordin und seiner Frau Friga zur Welt. Wie sein Vater erlernte auch Isaak den Beruf des Kaufmanns und zusätzlich noch den des Schneiders.

Isaak war schon bald viel unterwegs. Und so heiratete er am 15. Juli 1901 im Alter von 26 Jahren im damals russischen Lodz die ein Jahr jüngere Malia Schapiro, die am 10. Februar 1876 in der weißrussischen Stadt Grodno geboren wurde. Schon bald bekam das junge Paar Nachwuchs: Am 25. Juli 1902 kam der erste Sohn Nahum Gordin in Lodz zur Welt. In Lodz boomte zu dieser Zeit die Textilindustrie. Und seit 1848 durften sich Juden in der neu errichteten Fabrikstadt niederlassen - eine Chance, die auch die junge Familie Gordin ergriff.

Doch die Spannungen unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen waren groß; vor allem das russische Militär agierte mit harter Hand. Das Arbeiterelend war groß in Lodz in dieser Zeit. Und vermutlich auch deshalb trieb es die kleine Familie weiter Richtung Westen, nach Nürnberg. In Nürnberg gab es Arbeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts florierte dort die Spielwaren-, Maschinen- und Elektroapparateindustrie. Am 23. Februar 1902 kam in Nürnberg der zweite Sohn Wolfgang Gordin zur Welt.

Doch auch in Nürnberg hielt es die Familie nicht lange. Möglicherweise waren Schneider in der neu aufkommenden Industrie nicht so gesucht? Zu Beginn des Jahres 1907, Sohn Wolfgang war also wenige Wochen alt, kam die Familie jedenfalls hier in München an. Zunächst wohnte sie in einer Erdgeschosswohnung in der Zeppelinstraße 9, seit 16. März 1914 dann in der Zeppelinstraße 16.

München bot den Gordins offenbar etwas mehr Stabilität. Hier in der Zeppelinstraße 16 überstand die Familie die Wirren des ersten Weltkrieges und die unsicheren Jahre der Weimarer Republik. Und drei Jahre nach ihrer Ankunft in München kam hier am 18. Juli 1910 auch der dritte Sohn Jakob Gordin zur Welt.

Der mittlere Sohn Wolfgang wurde Kaufmann und Dekorateur. Sein älterer Bruder Nahum und er erkannten die Zeichen der Zeit und emigrierten am 12. Mai 1933 nach Paris. Sie lebten zunächst im 10. Pariser Arondissement. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Hausierer. Doch auch hier waren sie vor den Nazischergen nicht sicher. Am 27. Juli 1942 deportierten die Nazis die Brüder mit dem 11. Konvoi von Drancy, das zwischen Chartres und Orléans liegt, nach Auschwitz, wo beide bald darauf ermordet wurden.

Auch der jüngste Sohn Jakob Gordin wurde Kaufmann. Bis zu seiner Flucht am 12. Juli 1939 nach England, lebte Jakob bei seinen Eltern in der Zeppelinstraße 16. Sein Gewerbe als Händler von Woll- und Weißwaren hatte er gezwungenermaßen am 14. Januar 1939 abgemeldet. Obwohl in München geboren, galt Jakob als Pole oder Russe, denn sein Status richtete sich nach seinen Eltern. Und als solcher war ihm der Betrieb eines Gewerbes untersagt. Fortan lebte er von Ersparnissen.

Am 17. Juni 1942 wurden auch die Eltern vom Barackenlager in der Knorrstraße 148, wo sie seit dem 1. Mai 1942 interniert waren, ins KZ Theresienstadt deportiert. Wenige Wochen später, am 27. Juli 1942, wurde das Ehepaar Gordin in Theresienstadt ermordet.
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