Lotte Bechhöfer

* 17.05.1936 in München gestorben in England
Leopoldstraße 52a

Stolperstein verlegt am 12.11.2018


Mit drei Stolpersteinen in der Leopoldstraße 52a erinnern wir an
Rosa Bechhöfer und ihre Zwillingstöchter Lotte und Susi.

Rosa Bechhöfer wurde am 7. Juli 1898 im fränkischen Bechhofen geboren, als zwölftes von dreizehn Kindern des Ehepaares Sara und Gabriel Bechhöfer. Rosas Eltern starben, als sie sechs Jahre alt war. Mit ihrer jüngeren Schwester Betty wuchs Rosa im Waisenhaus auf. Im Schuhgeschäft ihrer älteren Schwester Frieda in Fürth arbeitete sie mit, sobald sie alt genug dafür war.

Im Frühjahr 1935 zog Rosa nach München und suchte sich eine Arbeit als Hausangestellte bei einer jüdischen Familie, die jedoch bald darauf nach Amerika emigrierte. Diese Erfahrung musste sie mehrfach machen, dass die jüdischen Familien, bei denen sie überhaupt noch eine Anstellung finden konnte, emigrierten, wenn sich die Möglichkeit noch ergab.

Am 17.Mai 1936 brachte Rosa im jüdischen Krankenhaus in München ihre
Zwillingstöchter Lotte und Susi zur Welt. Der Vater ihrer Kinder hatte sie zu Beginn der Schwangerschaft verlassen, weil er offenbar einer Anklage wegen „Rassenschande“ entgehen wollte. Finanzielle Unterstützung erhielt sie in dieser schweren Zeit von ihrer Schwester Frieda. Die Zwillinge blieben zunächst in der Klinik, ab September 1936 wurde das jüdische Kinderheim in der Antonienstraße in Schwabing ihr Zuhause.

Am 16.Mai 1939 wurden Lotte und Susi mit einem lebensrettenden Kindertransport nach England gebracht. Während der Reise wurden sie drei Jahre alt. In London, in der Liverpool Street Station, wurden sie von dem walisischen Pfarrerehepaar Mann in Empfang genommen und wuchsen dort auf - als angenommene Kinder ohne Vergangenheit.

Rosa Bechhöfer, die in den Jahren 1935 bis 1940 sieben verschiedene Arbeitsstellen hatte, war zuletzt in der Leopoldstraße 52a bei einer Familie namens Bacher untergekommen, bis sie 1941 von der Gestapo abgeholt und in das „Judenlager“ in Milbertshofen gebracht wurde. Im Frühjahr 1942 sollte sie deportiert werden, wegen einer Brustkrebserkrankung war sie aber vorher in das jüdische Krankenhaus eingeliefert worden. Am 13. März 1943 wurde sie aus der sogenannten „Heimanlage für Juden“, einem Kloster in Berg am Laim, herausgeholt, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Mit ihr zusammen deportiert wurden aus dem jüdischen Kinderheim in der Antonienstraße die dort noch verbliebenen zwölf Kinder mit ihren drei Beschützerinnen Alice Bendix, Hedwig Jacobi und Anne Renner. Rosa Bechhöfers Töchter Lotte und Susi entgingen diesem Schicksal, weil mutige und entschlossene jüdische Hilfskomitees in England zehntausend Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei, zehntausend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten retteten. Auch die Leiterin des Antonienheims, Alice Bendix und ihre Mitarbeiterinnen hatten selbstlos versucht, so viele Kinder wie nur möglich auf diesem Weg in Sicherheit zu bringen.
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