Otto Karl Weis

* 24.09.1877 in München deportiert am 14.08.1940
ermordet in Pirna-Sonnenstein am 15.07.1940
Pestalozzistraße 36

Stolperstein verlegt am 14.10.2017


Wir wissen so gut wie nichts Persönliches über das Leben von Otto Karl Weis: was ihn bewegte, welche Interessen er hatte, ob er sich mehr für die Natur oder mehr für Kultur begeisterte, was für ein Mensch er war.
Die wenigen Daten stammen alle aus „Täterwissen“ – das heißt, aus den Akten der Nazis.

Otto Karl Weis wurde am 24. September 1877 in München geboren und katholisch getauft.
Aus den Unterlagen geht hervor, dass Otto Karl Weis vor seiner Inhaftierung zuletzt in der Pestalozzistraße 36 in München wohnte und für den Münchner Bauunternehmer Leonhard Moll als Tiefbautechniker auf einer Baustelle in Wolfratshausen arbeitete. Am 25. August 1937 und erneut am 22. Dezember 1937 wurde er in das KZ Dachau gebracht und am 2. Februar 1938 wieder entlassen. Ihm wurden „Sittlichkeitsvergehen“ – gemeint sind homosexuelle Kontakte – angelastet; als Haftgrund kam beide Male die NS-Haftkategorie § 175, „Schutzhaft“ zur Anwendung. Unter dem euphemistisch formulierten Begriff „Schutzhaft“ wurden Regimegegner und andere missliebige Personen allein aufgrund einer Anordnung inhaftiert, ohne dass dies einer richterlichen Kontrolle unterlag, etwa im Wege der Haftprüfung. Die Gefangenen wurden gemäß der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933, die praktisch alle individuellen Grundrechte außer Kraft setzte, in Konzentrationslagern festgehalten und waren vollkommen rechtlos gestellt; sie wurden misshandelt, oft auch ermordet oder kamen infolge unmenschlicher Haftbedingungen zu Tode – so auch Otto Karl Weis.
Erneute Verhaftung am 14. August 1940 durch die Kripo München. Am 14. September 1940 erging durch die Kripo München der "Schutzhaftbefehl" mit Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau, diesmal nach der NS-Haftkategorie: „AZR“ = Arbeits-Zwang-Reich. Am 11. Dezember 1940 wurde Otto Karl Weis vom KZ Dachau in das KZ Buchenwald überstellt. Dort war er nach der NS-Haftkategorie „ASR“ = „Arbeitscheu-Reich“ in den Blöcken 25 und 26 untergebracht und musste Zwangsarbeit in den Arbeitskommandos 65 („Schachtkommando I“) und 66 („Schachtkommando II“) leisten.

Am 14. Juli 1940 wurde Otto Weis laut Transporttagebuch zusammen mit 92 anderen Männern, vermutlich aber erst in der Nacht zum 15. Juli 1941, in die die Tötungsanstalt Sonnenstein in Pirna gebracht, wo man ihn wahrscheinlich noch am selben Tag in der Gaskammer ermordete. Die „Aktion“ unter dem Aktenzeichen 14 f 13 durchgeführt. In den nachfolgenden Tagen meldete die SS den Tod der Häftlinge dem Standesamt Weimar II mit gefälschten Todesursachen. In Otto Weis‘ Sterbeurkunde trug man als Sterbedatum den 27. Juli 1941. und als Todesursache „eitrige Pleuritis“ ein. Die in die Sterbeurkunden eingetragen Todesursachen wurden gefälscht.
Die Aktion 14f13, in der Sprache des Nationalsozialismus auch als „Sonderbehandlung 14f13“ bezeichnet, betraf die Selektion und Tötung von als „krank“, „alt“ und „nicht mehr arbeitsfähig“ betitelten Konzentrationslager-Häftlingen im Deutschen Reich von 1941 bis 1944. Sie wurde auch als „Invaliden- oder Häftlings-Euthanasie“ bezeichnet und wurde später noch auf weitere in den Konzentrationslagern internierte Personengruppen ausgeweitet. Die Ziffern- und Buchstabenkombination resultierte aus dem SS-Einheitsaktenplan und setzt sich zusammen aus der Ziffer „14“ für den Inspekteur der Konzentrationslager, dem Buchstaben „f“ für Todesfälle und der Ziffer „13“ für die Todesart; hier also für die Tötung durch Gas in den Tötungsanstalten der T4-Organisation (natürliche Todesfälle wurden mit dem Aktenzeichen „14f1“, Freitod oder Tod durch Unglücksfall mit „14f2“, Erschießen auf der Flucht mit „14f3“ bezeichnet usw. Die Exekution sowjetischer Kriegsgefangener in den Konzentrationslagern wurde unter dem Aktenzeichen „14f14“ geführt, die Unfruchtbarmachung von Häftlingen erhielt die Bezeichnung „14h7“). „Sonderbehandlung“ war der gängige Begriff für Tötung (z.B. auch durch Exekution).
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