Dr. med. dent. Oskar Max Bloch

* 29.02.1876 in Konstanz Suizid in München am 10.04.1937
Herzog-Heinrich-Straße 5

Stolperstein verlegt am 27.06.2017


Dr. Oskar Max Bloch, geboren am 29.2.1876 in Konstanz, wirkte als Zahnarzt und vereidigter Sachverständiger für Zahnersatz und Dentallaborleistungen am Amtsgericht München I, bis er 1933 gezwungen wurde diese Position aufzugeben. Er hatte seine Praxis seit 1905 am Sendlingertorplatz 9/II bis er sie 1934, vermutlich nicht freiwillig, nach 29 Jahren in die Räume an der Herzog-Heinrich-Straße 5 verlegte. Wohnung und Praxis waren damals nicht so getrennt wie heute.

Dr. Oskar Bloch schied 1937 vermutlich freiwillig aus dem Leben. Dies wurde häufig verschleiert, um nicht die Angehörigen bar aller Versicherungen zurückzulassen. So auch in diesem Fall, wo es heißt, er sei an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Ein Hinweis könnte auch sein Grabstein auf dem Israelitischen Friedhof sein, der entgegen der üblichen Gepflogenheiten nach Süden ausgerichtet ist.

Franziska Bloch, seine Frau, genannt Fanny, geb.am 3.Mai 1885 in München, war seit 1903 im Münchner Verein für Fraueninteressen engagierte Mitarbeiterin im engsten Kreis um Luise Kiesselbach und leitete in den zwanziger Jahren das Kinderheim 'Gabrielenheim' in Tutzing, ein ehemaliges Forsthaus, das Kriegswaisen aus München aufnahm. Dieses Haus existiert bis heute und gehört zur Tabaluga-Stiftung. Sie leitete auch die Jugendherberge an der Ridlerstraße und war eine engagierte Sozialfürsorgerin in München, die allerdings im Gedächtnis der Stadt München nicht auffindbar ist! Sie lebte bereits lange in der Wohnung am Sendlinger-Tor-Platz 9, bevor ihr Mann nach der Eheschließung mit seiner Praxis dort im November 1905 einzog.

Die einzige Tochter Johanna (´Hansi´) wurde im August 1906 geboren. Ihre Berufsangabe ist Sprechstundenhilfe, sie hat wohl in der Zahnarztpraxis ihres Vaters mitgearbeitet. Sie und Heinrich Picard heirateten erst nach dem Tod von Oskar Bloch im Herbst 1937 und wohnten dann mit Hansis verwitweter Mutter in der gemeinsamen Wohnung in der Herzog-Heinrich-Straße 5.

In der Zeit der zunehmenden Entrechtung der jüdischen Münchner wurden immer wieder auf Veranlassung der Behörden zwangsweise Menschen in die Wohnung der Blochs – und auch der ebenfalls hier lebenden jüdischen Geschwister Albert und Franziska Seligmann – eingewiesen, so dass dort keiner mehr sein gewohntes Leben so fortsetzen konnte wie vorher. Eindrucksvoll hat dies Viktor Klemperer in seinen Tagebüchern geschildert. Auch im Haus Nummer 3 nebenan wurde so verfahren.

Heinrich Picard, geb. am 13.März 1895 in München, entstammte einer weitverzweigten angesehen Münchner Kaufmannsfamilie, die ein Anwesen in der Landwehrstraße 44 besaß – in dem sich der Geschäftsbetrieb, eine Woll- und Weißwarenhandlung mit 33 Angestellten, noch bis 1938 befand, bevor der Betrieb 'verkauft' wurde. Fanny Bloch, ihre Tochter und der Schwiegersohn mussten wenige Monate vor der Deportation nach Kaunas noch mehrfach umziehen und wohnten die letzten beiden Monate wieder im Anwesen in der Landwehrstraße 44, das zuvor der Kaufmannsfamilie Picard gehört hatte und welches eine Weile zum 'Judenhaus' geworden war.

Fanny Bloch wurde zusammen mit der Tochter Fanny Picard und dem Schwiegersohn Heinrich Picard am 20. November nach Kaunas deportiert und dort bei einer Massenerschießung am 25.November 1941 ermordet.

Das Haus in der Herzog-Heinrich-Straße 5, vor dem nur 6 Stolpersteine für die Familie Picard und das Geschwisterpaar Seligmann verlegt werden konnten, wurde zwischen 1939 bis 1941 von der Vereinigung der bayerischen Milchprüfringe gekauft – so ist es im Verzeichnis des Kommunalreferats über jüdischen Grund- und Hausbesitz, das online einsehbar ist, aufgeführt. Dieses Verzeichnis enthält eine Auflistung von rund 750 Grundstücken und Häusern, die zwischen 1938 und 1942 aus jüdischem Besitz verkauft wurden – in den wenigsten Fällen zu einem angemessenen Preis oder gar freiwillig.
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