Albert Seligmann

* 13.06.1885 in München deportiert am 20.11.1941
ermordet in Kaunas am 25.11.1941
Herzog-Heinrich-Straße 5

Stolperstein verlegt am 27.06.2017


Im „Biographischen Gedenkbuch der Münchner Juden“, die Opfer der Nazidiktatur wurden, sind für die Herzog-Heinrich-Straße insgesamt 119 Menschen genannt. Für sechs von ihnen konnten im Haus Nummer 5 am 27. Juni 2017 Stolpersteine verlegt werden, da die Hausbesitzer dieser Verlegung im öffentlichen Raum, aber auf Privatgrund, zugestimmt haben. Dafür sind wir sehr dankbar
Die Geschwister Franziska, genannt Fanny und Albert Seligmann, geboren mit einem Jahr Abstand 1885 und 1886 jeweils im Juni in München, lebten in diesem Haus in einem gemeinsamen Haushalt.
Der Vater hatte zusammen mit seinem Bruder in den späten 1870er Jahren in München eine Spiegelmanufaktur gegründet, die sich zuletzt in der Müllerstr. 46 befand und die Albert Seligmann mit seinem Vetter Richard fortführte als der Vater aus dem Berufsleben ausschied. 1937 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und lebte von seinem Vermögen, so lange er noch darüber verfügen konnte, denn ab der Pogromnacht wurden die Vermögen der noch im Land lebenden jüdischen Bürger nach und nach entzogen und alle Aktienbesitze und Edelmetalle, Juwelen und Silber mussten abgeliefert werden, die Bankkonten waren unter Zwangsverwaltung gestellt und es durften häufig nicht mehr als hundert Reichsmark pro Monat abgehoben werden.
Über seinen Vetter Richard Seligmann existiert ein Buch von Wolfram Selig, der darin die Entziehung des Vermögens während der Nazidiktatur exemplarisch verfolgt hat und zeigt wie skrupellos die vermögenden jüdischen Münchner um Ansehen, Besitz und Leben gebracht wurden. Er gehörte zu den jüdischen Männern die im Zuge der Reichspogromnacht von der Gestapo verhaftet wurden und im Lager in Dachau gezwungen wurden Eigentumsverzichterklärungen zu unterschreiben zugunsten von NS Organisationen. Er war später auch zur Zwangsarbeit verpflichtet.
Franziska, genannt Fanny und ihr Bruder, sowie der Vetter Richard wurden mit dem ersten großen Transport am 20. November mit fast eintausend anderen jüdischen Münchner und oberbayerischen jüdischen Bürgern vom Güterbahnhof in Milbertshofen in den Osten deportiert, von dem es bis in die neunziger Jahre hieß das Ziel sei Riga. Der Transport ging aber nach Kaunas in Litauen und dort angekommen wurden die Menschen im Fort am 25.November von den Einsatztruppen mit Maschinengewehren erschossen.
Albert und Fanny Seligmann lebten seit der Mitte der 1890er Jahre am Sendlinger-Tor-Platz 9, genau wie auch das Ehepaar Bloc. Es ist zu vermuten, dass der Umzug in die Herzog-Heinrich-Straße 5 nicht freiwillig erfolgte, denn viele Münchner Vermieter versuchten bald nach der Machtergreifung 1933 ihre jüdischen Mieter loszuwerden. Die neuen Machthaber begrüßten solche Maßnahmen und unterstützten dieses nicht durch Gesetze gestützte Verfahren.
Nach den Unterlagen, die mir zur Verfügung standen, ging das Haus zwischen 1934 und 1936 in den Besitz der Familie Bloch über, dann wurde es zwischen 1939 bis 1941 zwangsverkauft an die NS-Bauernschaft und später dem Milchwirtschaftsverband Bayern e.V. übertragen. Über die Kaufsumme konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden, aber das Geld wurde auf ein Sperrkonto überwiesen und die beiden Eigentümerinnen Fanny Bloch und ihre Tochter Hansi Picard hatten darauf keinen Zugriff.
Albert Seligmann und seine Schwester Franziska wurden am 20. November nach Kaunas deportiert und dort bei einer Massenerschießung am 25.November 1941 ermordet.
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