Dr. Friedrich Crusius

* 15.08.1897 in Tübingen deportiert am 24.10.1940
ermordet in Niedernhart am 08.03.1941
Mandlstraße 11

Stolperstein noch nicht verlegt


Friedrich Crusius wurde 1987 in Tübingen geboren; sein Vater, Otto Crusius, war Professor an der dortigen Universität. Die Familie zog im Jahr 1903 nach München, da der Vater an der Ludwig-Maximilians-Universität den Lehrstuhl für klassische Philologie übernahm. Friedrich Crusius ging hier zur Schule und studierte nach dem Abitur zunächst zwei Semester Philosophie, bevor er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Nach dem Krieg beendete er sein Studium, in welchem er seine spätere Frau Dorothea kennenlernte, und promovierte in klassischer Philologie.

Das Ehepaar bekam zwei Kinder, Dr. Crusius arbeitete nun als Gymnasiallehrer in Ingolstadt. Im Jahr 1935 wurde er wegen eines Nervenzusammenbruchs zunächst krankgeschrieben, wenige Monate später wurde die Diagnose Schizophrenie gestellt. Die Behandlung erfolgte in privaten Kuranstalten, der psychiatrischen Abteilung des Schwabinger Krankenhauses und der Heil-und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. Dem damaligen Kenntnisstand entsprechende Methoden wie Insulinkomata und Krampfschocks erbrachten keine Besserung.

Am 24. Oktober 1940 wurde Dr. Crusius im Rahmen der Aktion T4 in die Zwischenanstalt Niedernhart der Tötungsanstalt Hartheim in Oberösterreich deportiert. Wahrscheinlich aufgrund eines Schreibens seiner Frau vom 26. Oktober 1940 an die Direktion der Anstalt, in dem sie ihre Verwandtschaft mit Rudolf Heß erwähnte und sich dadurch Vorteile für ihren Mann erhoffte,
gehörte er zu den Einzelfällen einer Rückstellung nach der Deportation in die Tötungsanstalt Hartheim. Dr. Crusius starb am 8. März 1941 in der Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart-Linz »nach mehreren Tagen hohen Fiebers unter den Zeichen akuter Kreislaufschwäche« auf der Abteilung von Dr. Lonauer. Alle Umstände sprechen dafür, dass Dr. Crusius gezielt zu Tode gebracht wurde.

Fast 25 Jahre später fasste sein Bruder Otto Crusius die Erinnerungen an den Bruder in einem Brief an die Tochter Marie-Luise zusammen: »Er [wurde] als »lebensunwertes Leben«[..] ausgelöscht« – dies war der Familie sehr bewusst. Dennoch wurde bis nach dem Tod seiner Ehefrau und Kinder kein Wort über Dr. Crusius verloren.

Text:
Barbara Wenzl

Quellen
Oberösterreichisches Landesarchiv (OÖLA); Wagner-Jauregg KH,
Krankenakt Dr. Friedrich Crusius, Stammnummer 15859
Personalakte im Bayer. Hauptstaatsarchiv, Abt. I, Signatur MK 32294
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